Großer Preis von Aserbaidschan 2022 – Zahlen & Fakten

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Die Formel 1 kehrt beim achten Saisonlauf, dem Großen Preis von Aserbaidschan, auf die Straßen von Baku zurück. Baku ist oft Schauplatz unterhaltsamer und verrückter Streckenaction, und die Streckenführung bietet Möglichkeiten für gutes Racing.

Grafik: Mercedes Motorsport

Seit dem Formel 1-Debüt in Baku in der Saison 2016 gab es fünf Rennen und ebenso viele verschiedene Sieger auf dem Baku City Circuit; noch kein Fahrer konnte den Grand Prix zweimal gewinnen. Gleiches gilt übrigens auch für die Pole Positions: bei allen fünf Rennen stand bisher ein anderer Pilot auf dem ersten Startplatz. Mit einer Streckenlänge von 6,003 km ist der Baku City Circuit die drittlängste Strecke im Rennkalender – nur der Circuit de Spa-Francorchamps (7,004 km) und der Jeddah Corniche Circuit (6,174 km) sind noch länger.

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Die Strecke selbst lässt sich als eine Mischung aus Monaco und Monza beschrieben. Der Streckenabschnitt in der engen und winkligen Altstadt erinnert an die Straßen des Fürstentums, die langen Geraden und starken Bremszonen ähneln in ihrer Charakteristik eher dem „Tempel of Speed“ im königlichen Park zu Monza. Im Laufe einer Runde schalten die Piloten 68 Mal – genauso oft wie auf dem Bahrain International Circuit und öfter als auf jeder anderen Rennstrecke im aktuellen Formel 1-Rennkalender.

Baku City Circuit. Foto: Aston Marin Media

Die Strecke in Baku ist teilweise recht eng, allerdings benötigt sie anders als zuletzt in Monaco keine angepasste Lenkung. So ist Kurve 8 in Baku enger als die Haarnadel (Kurve 6) in Monaco, da es sich dabei aber nur um eine 90-Grad- und keine 180-Grad-Kurve wie im Fürstentum handelt, wird dafür keine spezielle Aufhängung benötigt, um die Kurve zu nehmen.

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Die ungewöhnliche Mischung aus engen Kurven und langen Geraden mit starken Bremszonen macht die Abstimmung eines Formel 1-Autos in Baku zu einer kniffligen Aufgabe. Die Teams wünschen sich so viel Downforce wie möglich für die vielen langsamen Kurven, wollen aber auch so wenig Luftwiderstand wie möglich auf den langen Geraden. Dadurch entsteht beim Setup ein Kompromiss, ähnlich wie in Spa-Francorchamps, wo es ebenfalls darauf ankommt, weniger Luftwiderstand zu haben, gleichzeitig aber nicht allzu viel Downforce zu verlieren.

Der Asphalt ist auf dem Baku City Circuit besonders glatt, in einigen Streckenabschnitten wird er sogar jedes Jahr neu gelegt, da dort das Kopfsteinpflaster in der Altstadt abgedeckt werden muss. In Kombination mit den durchschnittlich sehr geringen Lenkwinkeln (was wiederum bedeutet, dass wenig Energie in die Reifen geleitet wird) ist es entsprechend schwierig, die Pneus auf Temperatur zu bringen. Da in den Kurven nicht so viel Energie erzeugt wird wie auf anderen Strecken, sind die Teams stärker auf die Bremswärme angewiesen, um die Reifen warm zu halten.

Sebastian Vettel, Aston Martin, und Teammitglieder beim Track Walk. Foto: Aston Martin Media

Bei drei der bisher fünf Rennen in Baku gab es mindestens einen Safety-Car-Einsatz. Insgesamt gab es über diese drei Grands Prix verteilt sieben SC-Phasen, was einer SC-Wahrscheinlichkeit von 60% entspricht. Der Grund ist offensichtlich: Durch die geringen Auslaufzonen kann jeder Zwischenfall oder technisch bedingte Ausfall einen Einsatz von Bernd Mayländer hervorrufen.

Am Ende einer jeden Safety-Car-Phase erwartet die Piloten auf der mehr als 2,2 km langen Start-/Zielgeraden einer der härtesten Restarts der Saison, bei dem das Risiko besteht, gleich die nächste Safety-Car-Phase auszulösen. Überholen ist erst ab der Kontrolllinie erlaubt, die erst recht spät kommt. Zieht der Führende das Tempo zum falschen Zeitpunkt an, läuft er in mehrerlei Hinsicht Gefahr: Einerseits könnte er das Safety Car vor der Kontrolllinie überholen (was unweigerlich zu einer Strafe führt), andererseits könnte er von seinem Verfolger in Kurve 1 ausgebremst werden. Gleichzeitig besteht jedoch auch für den folgenden Fahrer ein Risiko, wenn er zu nah dran ist und zu früh vor der Kontrolllinie den Windschatten erhält. All das zusammengenommen erhöht die Chance auf einen weiteren Zwischenfall und damit einen erneuten Safety-Car-Einsatz.
Der Streckenabschnitt vom Ausgang in Turn 16 bis zur Bremszone für Turn 1 ist die längste Vollgaspassage des Jahres. Sie ist rund 200 Meter länger als der Abschnitt von Kurve 1 bis 5 in Spa-Francorchamps. Insgesamt werden in Baku 76% der Rundendistanz mit Vollgas gefahren.

Baku weist den höchsten Wert für Bremsenergie in der gesamten Saison auf, deutlich vor dem nächstplatzierten Kurs in dieser Kategorie in Bahrain. Auf der Strecke gibt es zehn Breaking-Events (gemeinsam mit Monaco die meisten der Saison), wobei wir fünf davon als „starke“ Breaking-Events ansehen. Bei letzteren werden für mehr als 0,4 Sekunden Kräfte von über 4 g erzeugt. Die meisten Straßenkurse sind nicht unbedingt für hohe Topspeeds bekannt, doch in Baku ist das durch die langen Geraden definitiv anders. Mit einem Topspeed von 322 km/h erreichen die Autos hier den bislang zweithöchsten Wert in dieser Saison – nur in Miami war der Topspeed mit 324 km/h bisher höher. Direkt hinter Baku liegt in dieser Kategorie ein weiterer außergewöhnlicher Straßenkurs, nämlich der Jeddah Corniche Circuit.

Quelle: Mercedes Motorsport 

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